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Newsletter der Aerztegesellschaft des Kantons Bern
21/04/2020

 
 

Was bedeutet die schrittweise Aufhebung des «Lockdown» für Arztpraxen und Spitäler?

 
 

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

 
 

Wie Sie den verschiedenen Kommunikationskanälen entnehmen konnten, hat der Bundesrat beschlossen, ab dem 27. April 2020 den «Lockdown» schrittweise aufzuheben. So können in einem ersten Schritt ab dem 27. April 2020 ambulante medizinische Institutionen wie beispielsweise Arztpraxen ihren normalen Betrieb wiederaufnehmen und sämtliche, auch nicht-dringlichen Behandlungen ausführen. Ebenso dürfen Spitäler wieder alle Eingriffe vornehmen. Das ist ein positives Zeichen! Allerdings muss an dieser Stelle betont werden, dass der Bundesrat die ausserordentliche Lage noch nicht aufgehoben hat.

Dieser sogenannte «Normalbetrieb» ist aber gemäss Verordnung des Bundesrates an eine wichtige Bedingung gebunden: Behandlungen sind nur unter Anwendung von besonderen Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus wieder zugelassen. Dazu muss ein Schutzkonzept vorgelegt werden, das aufzeigt, wie Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte sowie das Praxis- oder Spitalpersonal vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat für Mittwoch, 22. April 2020, eine Publikation betreffend die Grundbedingungen dieser Schutzkonzepte in Aussicht gestellt. Wir gehen davon aus, dass die Behörden des Kantons Bern bis Ende dieser Woche dann weitere Präzisierungen bekanntgeben werden, auch bezüglich Kontrolle/Überwachung der Schutzkonzepte. Gemäss aktuellem Informationsstand ist davon auszugehen, dass ein solches Schutzkonzept auf den Hauptpfeilern Social Distancing, Hygiene und Schutz der gefährdeten Personen und Mitarbeiter basieren wird.

Die FMH erarbeitet zurzeit auf der Basis der bisher bekannten Grundbedingungen ein Grundkonzept für Arztpraxen und wird dieses ihren Mitgliedern in Kürze zur Verfügung stellen. Dieses Grundkonzept kann dann von den Fachgesellschaften entsprechend ihren speziellen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst werden, dies auch unter Berücksichtigung der von den Behörden in Aussicht gestellten Publikationen zu den Anforderungen an die Schutzkonzepte. Sie selbst können dann entsprechend Ihren Gegebenheiten eine Detailanpassung für Ihre Praxis vornehmen, wobei natürlich die Vorgaben der Behörden erfüllt sein müssen.

Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass der Zeitplan für die Erarbeitung dieser Schutzkonzepte äusserst knapp gehalten ist. Nichtsdestotrotz muss es unser aller Ziel sein, dass alle Patientinnen und Patienten, nicht nur die von COVID-19 betroffenen, möglichst bald – d.h. sobald es aufgrund der Pandemie zulässig erscheint – wieder einer geregelten und umfassenden medizinischen Betreuung zugeführt werden können und dass die Ärzteschaft wieder ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen kann.

Wir gehen davon aus, dass uns diese Schutzmassnahmen noch länger begleiten werden. Es ist zurzeit nicht absehbar, wie sich die COVID-19-Pandemie weiterentwickelt und ob uns eine zweite Welle bevorsteht. Sicher werden die verschärften Schutzmassnahmen aber noch etliche Monate nötig sein – wahrscheinlich noch mindestens bis zur nächsten Grippewelle.

Eine Herausforderung bleibt weiterhin die Beschaffung von Schutzmaterial. Das BAG arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung. Weitere Lieferungen sind bereits eingegangen, das zur Verfügung stehende Material wird über die kantonalen Behörden verteilt. Wir empfehlen Ihnen, regelmässig die Publikationen und Informationskanäle des Kantonsarzt- und Kantonsapothekeramtes zu konsultieren.

Neu können Sie klinische COVID-19 Befunde nun auch elektronisch an das BAG melden. Voraussetzung dafür sind eine Internetverbindung und eine HIN-Identität bzw. HIN-E-Mail-Adresse. Weitere Informationen finden Sie in der Wegleitung zur elektronischen Meldung von klinischen COVID-19 Befunden auf folgendem Link: > siehe PDF unter «Elektronische klinische Meldung (online)»

Wir empfehlen Ihnen, sich regelmässig auf dem Coronadossier auf unserer Website zu informieren. In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf die Informationen zur Erweiterung des Taggeldanspruchs für Selbständigerwerbende.

Selbständigerwerbende Ärztinnen und Ärzte waren wegen des Behandlungsverbots für nicht-dringliche Behandlungen von massiven Umsatzeinbussen betroffen. Dennoch werden die meisten nicht in den Genuss einer Erwerbsersatzentschädigung kommen, weil diese auf Selbständigerwerbende mit einem deklarierten AHV-Einkommen 2019 zwischen CHF 10‘000.– und 90‘000.– eingegrenzt ist.

Unsere AHV-Ausgleichkasse medisuisse wird in Abstimmung mit der FMH betreffend Selbständigerwerbende mit einem Einkommen über CHF 90'000.– Pilotprozesse begleiten, um die Rechtmässigkeit und die Auslegung der Verordnungen gerichtlich prüfen zu lassen. Lesen Sie hier mehr darüber.

Unsere Empfehlung:

  • Selbständigerwerbende Ärztinnen und Ärzte mit einem Einkommen im Jahr 2019 zwischen CHF  10‘000 und 90‘000 können sich, sofern nicht bereits erfolgt, bei medisuisse anmelden.
  • Bei Einkommen über CHF 90‘000 wäre eine Anmeldung im jetzigen Zeitpunkt möglich, aber nicht sinnvoll, weil sie bis zu einem rechtsgültigen Gerichtsentscheid (wahrscheinlich des Bundesgerichtes) in einem Pilotprozess pendent gehalten wird. Sobald ein Urteil vorliegt, kann die Anmeldung immer noch erfolgen (Verwirkungsfrist 5 Jahre).

Aufgrund der aktuellen Situation mit nicht sehr grosser Belastung des ambulanten ärztlichen Notfalldienstes durch Pandemiepatienten können die empfohlenen Mehrfachabdeckungen im Notfalldienst wieder reduziert werden. Wir empfehlen Ihnen jedoch, entsprechende Vorbereitungen zu treffen für den Fall, dass notfalldienstleistende Ärztinnen oder Ärzte selbst krank werden oder in Quarantäne gehen und kurzfristig ersetzt werden müssen.

Es gilt nun, Schritt für Schritt unsere gewohnte ärztliche Tätigkeit aufzunehmen. Dabei müssen wir wachsam bleiben, die Schutzmassnahmen konsequent umsetzen und den Verlauf der Pandemie gut überwachen. Für Ihren grossen Einsatz danken wir Ihnen und wünschen Ihnen einen guten Einstieg in die Aufhebung des Lockdowns: Bleiben Sie gesund!

Im Namen des geschäftsführenden Ausschusses

Dr. med. Esther Hilfiker, Präsidentin
Dr. med. Rainer Felber, Vizepräsident

 
 


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