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Newsletter der Aerztegesellschaft des Kantons Bern
08/11/2017

 
 

eHealth heute: wunderbarer Giebel, unvollständige Säulen, instabiles Fundament

 
 

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

 
 

 
 

Klassische Bauwerke beeindrucken uns durch einfache und klare Linien, Proportionen im goldenen Schnitt und dauerhafte Bauweise. Das top-down konstruierte Elektronische Patientendossiergesetz (EPDG) und seine Verordnung tritt einem entgegen als minutiös konstruierter Giebel, der durch unfertige Säulen ungenügend gestützt wird und bedingt durch den fehlenden Miteinbezug der praktizierenden Ärzteschaft auf instabilen Grundlagen aufbaut.

Dieser Newsletter fasst die wichtigsten Forderungen der BEKAG zusammen:

  • Hindernisfreie Einbindung der freipraktizierenden Ärzteschaft in (Stamm-) Gemeinschaften

Damit das Elektronische Patientendossier (EPD) regional nutzbringend und grossräumig grenzübergreifend funktionieren kann, ist das hindernisfreie Miteinbinden – über Kantons- und Anbietergrenzen hinweg – der Mehrheit der freipraktizierenden Ärzteschaft in Gemeinschaften (ohne Patienten) und Stammgemeinschaften (mit Patientenbeteiligung) unabdingbar!

  • Finanzielle Anreize zur Einführung von ePraxisinformationssystemen in Arztpraxen

Damit die Mehrheit der Ärzteschaft in nützlicher Frist freiwillig an Bord geholt werden kann, braucht es finanzielle Anreize durch Bund, Kantone oder Versicherer. Ohne moderne Praxisinformationssysteme und elektronisch geführten Krankengeschichten können Arztpraxen nicht am EPD teilnehmen und sind vernetzte Business-to-business-Prozessen (B2B) nicht denkbar. In keinem europäischen Land war die Implementation von elektronischen Arztpraxisinformationssystemen ohne staatliche Finanzierungshilfe möglich!

  • Datenpflege muss tarifarisch abgebildet sein

Einmal installiert benötigen EPD und verwandte Prozesse eine aufwändige Datenpflege, die nolens volens durch Ärztin und Arzt regelmässig durchzuführen ist eingedenk des grossen, angepeilten Benutzerkreises eines funktionierenden EPD. Diese Datenpflege muss selbstverständlich tarifarisch abgebildet sein.

  • B2B-Prozesse sollen das EPD auf identischen Plattformen ergänzen

Im Gegensatz zum EPD, das für ambulante Leistungserbringer keine Kosten nach sich ziehen sollte, würde das Angebot an B2B-Prozessen kostenpflichtig sein. Demzufolge ist es wichtig, dass unter den wichtigsten Anbietern, seien es Betriebsgesellschaften wie die Post, Swisscom oder der ID-Provider AD Swiss Net AG die Konkurrenz auf dem Schweizer Markt spielt. Ärzteeigenen Dienstleistern wie AD Swiss ist ungehinderten Zugang zu den Plattformen der Post und Swisscom zu gewähren (funktionelle Interoperabilität, Roaming ausserhalb EPD für gerichteten Datenverkehr).

  • Softwarefirmen sorgen dafür, dass Schnittstellen und Praxisinformationssysteme auf aktuell neustem technischen Stand sind

Eines muss man sich bei dem auf Papier grassierenden Digitalisierungsrausch in der Gesundheitspolitik immer wieder vor Augen führen: Für den einzelnen ambulanten Leistungserbringer besteht keine Verpflichtung, sich jetzt zur Teilnahme am EPD zu entscheiden und einer Gemeinschaft (Affinity Domain) oder einer Stammgemeinschaft (Affinity Domain + Patienten/Bürger) beizutreten! Zuwarten wird sich vorderhand noch auszahlen. Einen Mehrnutzen in Form von Arbeitserleichterung kann die Ergänzung des EPD durch B2B-Prozesse bringen.

eHealth Suisse

Als Delegierter der Konferenz der Kantonalen Aerztegesellschaften im BAG-Beirat „eHealth Suisse“ kann ich auch die Interessen der BEKAG an entsprechender Stelle vertreten.

Aus der 1. Sitzung Ende August 2017 sind folgende Gesichtspunkte besonders interessant:

  • Erarbeiten der Grundlagen von Zertifizierungsvoraussetzungen
  • Interoperabilität der EPD-Zusatzdienste (B2B-Prozesse ausserhalb des EPD)
  • Kontakte zu AD Swiss und Ofac (Berufsgenossenschaft der Apotheker, Fakturierung von Rechnungen)
  • Abgleich von Austauschformaten
  • Antragstellung zum Nationalforschungsprogramm „Digitalisierung im Gesundheitswesen: Der kulturelle Wandel“

Nichtsdestotrotz…

…ist ein Verharren in der Papierzeit unrealistisch und der Wandel zur codierten und strukturierten Arbeit in Bezug auf die Digitalisierung auch in unserer ambulanten Praxiswelt unabdingbar.

Freundliche Grüsse

Dr. med. Beat Gafner
Präsident Aerztegesellschaft des Kantons Bern

 
 


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