Gesundheitspolitische Positionen der Delegiertenversammlung der Aerztegesellschaft des Kantons Bern zu Integrierter Versorgung

Unter einem integrierten Versorgungsnetz verstehen wir eine Gruppe von Leistungserbringern, die sich zum Zweck einer verbesserten Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen. Die Delegiertenversammlung akzeptiert die Einführung von Modellen der integrierten Versorgung im Kanton Bern unter folgenden Rahmenbedingungen:

  1. Zentrale Voraussetzungen für die Einführung integrierter Versorgung sind ein morbiditätsorienterter, verfeinerter Risikoausgleich und eine wissenschaftliche Begleitevaluation.

  2. Es braucht eine ärztliche Patientenführung über die ganze Behandlungskette des Netzwerks hinweg und damit eine Optimierung der Behandlungsqualität. Die Netzwerke integrieren Grundversorger und Spezialisten sowie nach Möglichkeit Spitäler und nachgelagerte Betreuungsstrukturen.

  3. Integrierte Versorgung braucht ein Qualitätsmanagement und eine Qualitätskontrolle. Die Fokussierung ist auf Qualität und Patientennutzen gerichtet und nicht auf direkte Kostenfolgen.

  4. Die Krankenversicherer sind zu verpflichten, flächendeckend überall in der Schweiz mindestens ein Versicherungsmodell für die integrierte Versorgung anzubieten.

  5. Den Krankenversicherern darf es nicht erlaubt sein, Netzwerke der integrierten Versorgung zu führen oder sich an solchen Institutionen zu beteiligen.

  6. Die freie Arztwahl innerhalb eines bestehenden Netzwerkes muss gewährleistet sein. Die Patientenführung kann sowohl von einem Grundversorger wie von einem Spezialisten ausgeübt werden.

  7. Eine Budgetverantwortung – im Sinne eines Globalbudgets – wird abgelehnt.

  8. Eine allfällige Budgetmitverantwortung der Leistungserbringer muss freiwillig sein. Sie kann nur beim Netzwerk und darf nicht beim einzelnen Arzt liegen. Die Regelungen müssen insbesondere ethisch vertretbar sein und auf einem verfeinerten Risikoausgleich gemäss Ziff. 1 beruhen. Eine Kostenkontrolle muss über eine Periode von mehreren Jahren angewendet werden.

  9. Der primäre Anreiz zum Eintritt in ein integriertes Versicherungsmodell muss über Qualitätsmerkmale erfolgen und darf nicht über Kostenunterschiede (wie differenzierte Selbstbehalte) gehen.

  10. Es gilt weiterhin eine eidgenössische Tarifstruktur, in deren Rahmen die Höhe der Vergütung der Leistungen zwischen Versicherer und Leistungserbringer vertraglich zu regeln ist.

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